Genauer gesagt, einen Kater.

Die große Prinzessin wollte schon immer eine Katze. Allerdings war das wegen ihrer Hauptprobleme bisher nicht möglich. Jetzt aber scheint ihre Neurodermitis überwunden (die Chancen dafür standen immerhin 50:50) und sie hat immer wieder nachgehakt, ob sie den jetzt endlich ein Haustier haben könnte – ein anderes als Fische… Und weil ich selbst sehr lange Betteln musste, bis ich einmal eine Katze bekommen habe, war ich eher geneigt, ihr den Wunsch zu erfüllen. Irgendwann hat auch der beste Ehemann und Papa von allen seinen Widerstand aufgeben und ich habe das Internet nach einem passenden Mitbewohner durchforstet. Ganz schnell war (mir) klar, dass wir eine Katze aus den Tierheim holen würden. Keine Babykatze, sondern eine etwas ältere, stubenreine, nicht mehr ganz so verspielte.

Es kam anders. Nicht komplett anders, aber anders. In den diversen Tierheimen unserer Umgebung wurden nur wenige Katzen vermittelt. Und wenn, dann nur „mit Freigang“. Das kann ich in unserer Wohnung nicht bieten.

Und dann sind wir über die Anzeige einer Tierärztin gestolpert, die zwei wunderschöne Katzen zu vergeben hatte. Leider waren wir in wenige Minuten zu spät am verabredeten Treffpunkt, ein junger Mann hatte die beiden gerade eben abgeholt. Die große Prinzessin war am Boden zerstört. Aber sie hatte eine Bekannte, die gerade einen Streuner bekommen hatte, der ebenfalls zu haben war. Also sind wir noch ein Stückchen mit dem Auto gefahren und haben uns das Kerlchen angesehen. Er ist verschüchtert in einer Ecke gesessen, hat sich aber ohne Aufstand von der Dame hochheben lassen. Nachdem ich ihn in den Schoß gesetzt bekommen habe, war mir klar, dass ich den mitnehmen würde. Er war klein, etwa ein halbes Jahr alt, zart und ängstlich. Die Prinzessin taufte ihn „Findus“, weil sie seinen Geburtstag zweimal feiern würde: einmal im Sommer und einmal an dem Tag, an den wir ihn abgeholt haben.

Zuhause hatten wir ihm schon das Gästezimmer vorbereitet. Und kaum habe ich die Transportbox geöffnet, ist er in ein Eckchen gekrochen und hat sich dort verschanzt. Jetzt hieß es erst einmal Geduld haben. Das Futter und das Katzenklo haben wir gleich in seiner Nähe aufgestellt und ihn für ein paar Stunden in Ruhe gelassen. Erst am Abend habe ich mich mit der Prinzessin auf den Boden gesetzt und ihr Märchen vorgelesen. So konnte sich der Kleine an unsere Gegenwart und unsere Stimme gewöhnen.

Eine ganze Woche lang haben wir bestenfalls seine Schwanzspitze gesehen. In der zweiten Woche ist er mutiger geworden. Und aus seinem Zimmer „ausgebrochen“. Er hat Leckerlis angenommen, die wir ihm zugeschoben haben. Er hat geduldet, dass ich in Sichtweite war, wenn er gefressen hat.

Dann kam der Tag, als er aus meiner Hand gefressen hat. Und der, als er geduldet hat, dass ich ihn beim Fressen an der Pfote oder an Hals berühre. Er ist nicht mehr total panisch geflüchtet, wenn einer von uns an ihm vorbei gegangen ist. Ich habe Stunden bei und neben ihm verbracht, immer leise auf ihn einredend oder der Prinzessin Geschichten vorlesend.

Oft hat er uns nur seinen Blick fixiert, ist in unserer Nähe herumgeschlichen. Ich habe immer wieder das Gefühl gehabt, er würde sich gerne streicheln lassen, traut sich aber nicht. Bis zum vergangenen Sonntag: ich bin neben seinem Fressnapf sitzen geblieben, meine Hand gleich neben ihm. Als ich versucht habe, ihn ab der Pfote zu berühren, hat er nicht zurück gezuckt. Ich habe versucht, ihn zu streichen. Und er hat es doch nicht nur gegangen lassen, er hat mehr eingefordert! Ganze zehn Minuten hat er mit mir gekuschelt, bis seine Angst dann doch gesiegt hat und er die Stiegen hinauf gestürmt ist.

Am Abend durfte ihn auch die große Prinzessin streicheln. Sie war seelig.

Noch immer flüchtet er, wenn wir aufeinander treffen. Aber unser öfter schleicht er sich in unsere Nähe und wartet, ob einer mit ihm spielen oder kuscheln möchte.

An mir hängt er irgendwie besonders, folgt mir manchmal wie ein Schatten, ist auf den kleinen Prinzen eifersüchtig, wenn der auf meinen Schoß sitzen darf, ringelt sich dort ein, wenn der Prinz nicht da ist.

Ich hab das Gefühl, Findus wird noch ein echter Schmusekater.