Seit unser kleiner Prinz auf der Welt ist bekommt er Hunger, sobald wir uns zum Tisch setzen. Immer schon schaut er uns gerne und sehr genau zu, wenn wir essen.
Seit er – an uns gelehnt – Sitzen kann und will und seit er gezielt greifen kann (also seit vorgestern), tapscht er mit seinen kleinen Patschehändchen immer wieder Richtung Tisch.

Also durfte er kosten: den Stengel eines weichgekochten Karfiols (Blumenkohl); einen kleinen Tropfen Kürbissuppe (natürlich weder sehr salzig noch scharf). Und gestern Abend, als er beim besten Ehemann und Papa von allen am Schoß unserem Nachtmahl zugeschaut hat, hat er sogar die Buttersemmel erwischt. Richtig sauer war er, als wir beschlossen haben, dass zwei Mundvoll Butter-von-der-Semmel-lutschen genug sein müssen. Er ist ja immerhin erst fünfzehn Wochen alt.

Diese Art, sein Kind sich selbst füttern zu lassen hat sogar einen Namen: baby-led weaning. Die Theorie dahinter ist, dass Kinder gemeinsam mit ihren Eltern (und älteren Geschwistern) am Tisch sitzen und am Essen teilhaben. In dem Rahmen, der ihnen eben möglich ist, ohne Eile, ohne Zwang.
Voraussetzungen dafür sind, dass das Baby (mit Unterstützung) sitzen kann; Interesse am Essen zeigt; sich selbst (gezielt) etwas in den Mund stecken kann; der Zungenstoß-Reflex, der alles ausser Mama’s Brust – beziehungsweise Flascherl – hinaus befördert, nicht mehr vorhanden ist.
Und: es soll das Stillen/ Fläschchen nicht ersetzen, sondern ganz langsam feste Nahrung einzuführen.

Diesen Weg sind wir schon mit unserer großen Prinzessin gegangen, als sie den (Gläschen-)Brei nicht essen wollte. Sie hat es sichtlich genossen, mit uns essen zu dürfen; auch, wenn der Boden und der Tisch und das Kind nachher eine Komplett-Reinigung benötigt haben.
Der kleine Mann ist zwar ein paar Wochen früher dran als die große Schwester, aber auch er darf kosten und mitnaschen, wenn er das möchte. Viel ist es ohnehin noch nicht.