Als ich am Montag in den Kindergarten komme, humpelt mir Mia’s beste Freundin S. samt ihrer Mama entgegen. Und die warnt mich gleich vor: Mia und S. haben Fangen gespielt, beide wären ordentlich hingefallen.

Also schnell in die Gruppe, schauen, wie’s meinem Mädl geht. Aber meine Sorge ist gänzlich unbegründet: Mia hat zwar zwei riesige Pflaster – eins auf jedem Knie – und es soll ordentlich geblutet haben, aber sie läuft munter herum, hat überhaupt nicht geweint und erzählt mir stolz, wie’s passiert ist. Ich bin ziemlich überrascht, dass sie das so locker nimmt, aber auch erleichtert.
Auch später, als wir S. besuchen, verzieht die Große keine Miene – nicht, als ich ihr das Pflaster runterziehe, damit es nicht an der Wunde klebt (und die ist echt ordentlich!) und auch nicht, als sie sich im Plantschbecken hinkniet. Ich staune.
Mia’s gute Laune ändert sich erst, als wir am Abend beim schlafen gehen nochmal ihre Wunde „bestaunen“ und für die Nacht mit Salbe und Pflaster versorgen. Plötzlich holt sie alles an Weinen nach, was sie den Tag über nicht herausgelassen hat. Über eine Stunde lang halten wir sie abwechselnd im Arm, schaukeln und trösten sie, bis sie endlich einschlafen kann – arme Maus!
Am nächsten Morgen hat sich das Pflaster mit der Wunde verklebt – mit Wasser und mehr Salbe schaffen wir es schließlich, es halbwegs schmerzfrei von der Wundfläche zu lösen, aber nun lässt es sich nicht von der Haut abziehen. Die arme Miezekatze muss einiges über sich ergehen lassen, bevor der beste Ehemann und Papa von allen es geschafft hat, mit der Kindernagelschere zumindest den Teil zu entfernen, der die Wunde direkt bedeckt. Dann ist aber wieder Trösten und Schaukeln und Festhalten angesagt, damit sie sich ein bisschen erholen kann.
Am Nachmittag dann geht das Drama weiter: als sie heimkommt gibt’s wieder Tränen. Ganz schrecklich viele! Über eine Stunde lang kann sie sich kaum beruhigen, kann ich sie kaum trösten. Erst, als ich ihr in meiner Verzweiflung erzählt, dass die Kinder am Spielplatz sie sicher auch hören können, kommt sie ein bisschen runter und lässt sich trösten. Solange ich ihr jetzt etwas vorlese oder sie irgendwie ablenke, hält sich der Schmerz in Grenzen. Erst als der beste Ehemann und Papa von allen von der Arbeit kommt, wird’s wieder schlimmer.
Auf der einen Seite ist das „Schlimmer-Werden“ eine Art von Aufmerksamkeits-Heischen. Sie merkt sicher, dass der beste Ehemann und Papa von allen und ich schon ein bisschen angespannt sind, weil der kleine Konstantin nun doch bald auf die Welt kommen wird.
Andererseits bin ich mir ziemlich sicher, dass sie Schmerz einfach intensiver empfindet, als zum Beispiel ich. Das ist für hochsensible Kinder typisch. Aber auch für Kinder, die schon als Baby Schmerzerfahrungen gemacht haben – wie Mia mit der Neurodermitis.
Also gab’s für’s Schlafengehen an beiden Tagen eine Mini-Dosis Ibuprofen. Und es hat uns in beiden Nächten zumindest phasenweise recht gut schlafen lassen – wenn die Schmerzen doch durchkamen hat Kuscheln ein bisschen geholfen.

Heute Morgen hat dann alles schon wieder viel besser ausgesehen: kein Pflaster, das auf der Wunde klebte – das war schon mal ein guter Start. Mia geht zwar noch ein bisschen komisch (die Knie abgewinkelt, wie ein kleiner Schimpanse) aber immerhin muss sie nicht mehr überall hingetragen werden, weil das Ausstrecken so weh tut.

alles Liebe,
Andrea