Und das nicht erst seit gestern:

Der Winter war ja nicht wirklich streng und so haben wir schon Anfang dieses Jahres nach dem Kindergarten immer wieder etwas draussen unternommen – am liebsten natürlich mit dem neuen Roller. Bald hat sich daraus ein Ritual gebildet: nachdem ich sie abgeholt hab, sind wir mit dem Roller um den Block gedüst. Das hat ihr richtig gut gefallen und es war zunehmend schwieriger, wieder nach Hause zu gehen, wenn’s mir schon kalt geworden ist. 
Und eines Tages war’s dann mal so weit, dass _ich_ dringend heim musste, _sie_ aber so gar nicht wollte. Also hab ich ihr erklärt, ich würde notfalls auch ohne sie, in der Gewissheit sie würde mitkommen. 
Aber nicht heute! Sie wollte unbedingt noch mit dem Roller fahren. Ich musste mal fest schlucken und dann gut überlegen:
ich könnte sie natürlich mit Gewalt mitnehmen 
ich könnte ihr allerdings auch die Chance geben, das mal auszuprobieren – viel passieren kann bei uns ja nicht: der Komplex ist recht gut abgeschirmt, nur an zwei Stellen kann man auf die Straße, vorher muss man allerdings einen Schranken bzw mehrere Pylonen und einen kleinen Platz überfahren, um tatsächlich auf die Strasse zu gelangen. Auf der anderen Seite führt der Weg zwar bergab, aber dort sind Felder, ein kleines Wäldchen und sehr viele Spaziergänger. 
Den Weg rund ums Gebäude kennt sie ja in- und auswendig. Und vor den Autos und der Strasse hat sie gehörig Respekt und hält sich brav davon fern (wie sehr das noch gilt, wenn ihre forschere Freundin S. dabei ist, weiss ich nicht).
Ich schärfe ihr also mehrmals ein, wo sie fahren darf und wo nicht, und dass sie immer nach 2 Runden klingeln soll und wo.
Und dann geht unser Experiment los – ich sprint in die Wohnung, sie düst los. Nach ein paar Minuten läutet’s das erste Mal – ich bin zum Glück schon fast wieder auf dem Weg – wir tratschen ein bisschen über die Gegensprechanlage, dann düst sie wieder los, ich sprinte die Stufen wieder runter.
Wir sind beide glücklich und stolz!
Wir haben also ein neues Ritual: ich hole Mia ab, sie fährt ihre Runden und ich hole schnell die Spielplatztasche. Mia ist jedesmal unglaublich stolz – und ich auch!
Dann war einige Zeit lang Pause – nach dem Kindergarten möchte sie schnell heim, also verzichten wir auf unsere Roller-Runden.
Vor ein paar Wochen waren wir dann abends bei S. zu Besuch, nur schnell ein paar Stückerl Kuchen vorbeibringen – hab ich zumindest geplant. Mia war da anderer Meinung: sie wollte unbedingt mir ihrer Freundin spielen. Nach 20 Minuten wollte ich dann wieder heim, Mia nicht. 
S‘ Mama kam dann auf die Idee, dass die Mädls ja  noch alleine spielen könnten, sie würden Mia dann in 20 oder 30 Minuten heimbringen (sie wohnen ja im gleichen Haus und wir haben es daher nicht weit).
Was soll ich sagen? Mia war total begeistert – die halbe Stunde war in nullkommanix um, beide Mädchen stolz und glücklich!
Seither haben wir das 2 oder 3 mal wiederholt – immer hat es super funktioniert! 

Und auch mit M. haben wir das gestern probiert. Mia wollte unbedingt bei ihm bleiben, während ich noch etwas holen musste. M’s Mama hatte nix dagegen, beide Kinder mit in die Wohnung zu nehmen und ich weiß ja, dass sich Mia dort wohlfühlt.
Als ich nach etwa 20 Minuten nachgekommen bin, war Mia fast schon enttäuscht, nicht länger alleine spielen zu können, aber die Aussicht, zum Waldspielplatz zu gehen, hat sie schnell wieder versöhnt 😉 Das werden wir also auch bald mal wiederholen – wenn M’s Mama einverstanden ist 😉

Ich bin so stolz auf meine Große, auch wenn ich mich noch daran gewöhnen muss, dass sie schon so selbständig ist!
Andrea