… aufmerksam

Sie saugt alles auf, wie ein Schwamm. Alles bleibt hängen. 
Das hat natürlich viele positive Seiten: Ich muss ihr nicht jedesmal sagen: „Greif bitte die Herdplatte nicht an, die ist heiss, da kannst du dir sehr weh tun!“ oder: „Lauf nicht auf die Strasse, die Autos können nicht so schnell bremsen!“ – in der Regel reicht es, wenn ich’s einmal erkläre. Und wenn sie versteht, warum sie etwas (nicht) tun soll, hält sie sich auch (meistens) dran.
Sie merkt sich aber auch jedes Versprechen, das man ihr gibt. Jede kleine Ungerechtigkeit. Jeden Wunsch. Sieht jede Ameise und jeden Kaugummi auf dem Weg ins Geschäft. Ablenken ist da nicht drin! 
Während man A. zB einen schönen Stein, ein hübsches Blatt, einen schillernden Schmetterling zeigt kann man ihr problemlos den Schlüssel, den sie gerade „geklaut“ hat, aus der Hand nehmen. Oder wenn L. weint, weil sie jetzt nicht schaukeln kann. Da genügt es, ihr statt dessen das Wipptier anzubieten.
Bei Mia käme man damit nicht durch …. Da ist mehr Verhandlungsgeschick gefragt. Aber sie versteht meist auch, dass sie noch ein bisschen warten muss, oder bestimmte Dinge wieder dem rechtmässigen Besitzer zurückgegeben werden müssen. Den Satz „das gehört aber jemand anderem“ hört sie zwar oft, aber sie sieht’s auch ein.
… stur
Ich fürchte, das hat sie von ihrer Mutter 😉
Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, tut sie alles, um das auch zu bekommen. Auch das kann manchmal mit Verhandlungen gelöst werden. Manchmal.
Meistens gibt es aber nur zwei Möglichkeiten: nachgeben oder durchsetzten.
Das Problem beim Nachgeben ist, dass sei sich sehr genau merkt, dass sie „gewonnen“ hat, das nächste Mal wird dann richtig schwer.
Das Durchsetzten ist aber in dem Moment auch nicht einfacher: wenn nicht unmittelbare Gefahr besteht, gibt es drei „Warnungen“, dann passiert, was Papa/ Mama angekündigt hat. Das führt unweigerlich zu einem Zornausbruch. Mit einer Bandbreite von „ich-schau-Mama/ Papa-nicht -mehr-an“ bis zu Wein- und Schreikrämfen, die bis zu einer Stunde dauern können. 
… anhänglich
So anhänglich, dass auch der Papa oft keine Chance hat. Alles, aber auch alles muss sie mit der Mama machen. Das heißt für mich: keine einzige Minute allein.
Einerseits ist es schön, mit Mia viel Zeit zu verbringen und ich freu mich, dass ich einen guten Draht zu meiner Tochter hab. Aber andererseits ist das auch sehr, sehr mühsam. Ich bin sehr gerne Mama, aber ich möchte nicht ausschließlich Mama sein! Ich möchte mein Hobby behalten! Und auch für Mia hat es Vorteile, auch mit dem Papa Zeit zu verbringen. 
Ganz schlimm ist es aber, wenn alles zusammenkommt – wie es vor mehr als einem Monat der Fall war (gleich nach dem Start ins neue Kindergartenjahr). Da war es so schlimm, dass wir uns professionelle Hilfe geholt haben – eine Psychologin. Nach einem fast zweistündigem Gespräch war Vieles klarer – allem voran: wir haben nicht alles falsch gemacht 🙂
Verbessern kann man trotzdem einiges:
– zu viele Wahlmöglichkeiten überfordern sie
Also besser: „komm, wir gehen einkaufen!“ statt: „möchtest du mit uns mitkommen zum Einkaufen?“ 
Das funktioniert super! Und sie geht sogar gerne mit – egal, ob zum Einkaufen oder auf einen Ausflug 🙂
– Veränderungen früh ankündigen
Denn Veränderungen erträgt sie nur schlecht. Und sie versucht natürlich alles, um dem auszuweichen, im „Notfall“ macht sie mir ein so schlechtes Gewissen, dass ich am liebsten nachgeben möchte. 
Aber ich weiss ja, dass ich mich auf den besten Ehemann von allen verlassen kann. Auch, wenn die schlechtes-Gewissen-Taktik mit viel Weinen und Schreien bei mir wirklich gut funktioniert. 
Aber auch hier gibt’s schon Erfolge: das erste mal, als ich fortgegangen bin, hat sie sich so aufgeregt, dass ich aus lauter Sorge wieder zurückgegangen bin. Obwohl er eigentlich alles unter Kontrolle hatte. Aber das musste auch ich erst lernen …
Letzte Woche hat sie sich schon richtig auf den Abend nur mit Papa gefreut!
– Papa mehr in den Mittelpunkt stellen/ Verantwortung geben
Zum Beispiel ins Abendritual einbinden; im Auto neben ihr sitzen – auch beim Mittagsschlaf; Papa-Tage; …
Verantwortung abgeben, das liegt mir gar nicht. Immerhin war ich zwei Jahre lang ca 16 Stunden am Tag allein für sie verantwortlich, da fällt es eben schwer, sich umzustellen. Und wird vermutlich noch ein bissl dauern, bis ich das so hinkriege, wie er das auch verdient…
– zusammenhalten
Sagt einem eigentlich der Hausverstand. Aber in der Praxis schaut das ganz anders aus: wenn Papa am Abend heimkommt und die kleine Maus grade mal 20 Minuten in der Früh gesehen hat, möchte er dann natürlich nicht mit ihr darum streiten, ob sie um 8 Uhr noch einmal anfangen darf, fernzusehen. Obwohl wir vorher abgemacht haben, dass jetzt gezeichnet oder gelesen wird. Dann möchte er die Stunde, die die beiden am Abend noch haben, gemütlich und in Ruhe mit seinem Mädchen verbringen. Das bringt mich aber in die blöde Situation, den „bad cop“ spielen zu müssen. 
Jetzt sprechen wir uns kurz ab, wenn er heimkommt, um solche Situationen möglichst zu vermeiden. Und wenn’s doch einmal passiert, dass Papa was erlaubt, das Mama verboten hat, darf Papa auch mal einen Rückzieher machen. Oder Mama überlegen, ob das Verbot wirklich sinnvoll war.
Die Erfolge sind (noch) nicht überwältigend, aber ein Fortschritt ist durchaus sichtbar! Wunder darf man sich halt auch von Psychologen nicht erwarten 🙂
eure, Andrea