Ein starker Wille ist ja eigentlich was Gutes. „Eigentlich“ deshalb, weil das auch ganz schnell ganz schön unbequem werden kann. Besonders, wenn zwei solcher Sturköpfe aufeinander treffen.

Ich spreche da aus leidvoller Erfahrung. Meinen eigenen Sturkopf hab ich von meiner Mutter geerbt – das hat uns beiden schon ziemlich zu schaffen gemacht. Und genau diesen „starken Willen“ hab ich Mia weitergegeben.
Aber auch der beste Ehemann und Papa von allen ist ein Sturschädl und hat da auch ein ganzes Stück weitergegeben.

Das Ergebnis ist ein kleines, ziemlich charmantes, aber auch energisches Energiebündel, das nicht nur genau weiss, wie sie ihre Eltern um den kleinen Finger wickeln kann, sondern auch immer wieder versucht, mit ihrem kleinen Kopf durch die Wand zu gehen. Nicht immer können wir ihr erlauben, diese Wand auch wirklich einzureissen. Dann gibt´s ab und zu ein bissl Stress bei uns zuhause.

Wenn dann noch ein Entwicklungsschub dazukommt wird´s allerdings unschön. Gerade heute waren wir wieder so weit.
Wenn die Maus Fieber hat scheint es uns immer, als würden ihre Gehirnzellen gleich nochmal so schnell arbeiten. So auch diesesmal. Mia sagt auf einmal „Du“ und „Ich“ im richtigen Zusammenhang. Sie wird also ein richtiges, eigenständiges Persönchen. Das macht ihr nicht immer nur Spaß, sondern sicher immer wieder auch ganz schön Angst. Deshalb ist sie in letzter Zeit extrem angänglich gewesen (sicher auch, weil sie ja krank war).

Und deshalb hatten wir in den letzten 24 Stunden gleich zwei „Vorfälle“ – beide wegen Kleinigkeiten, die sie zwar sonst auch nicht gerne macht (Hosen anziehen, im Autositz sitzen), aber normalerweise gibt das keinen solchen Aufstand wie heute.
Einen richtigen Wutanfall hat mein kleines Energiebündel bekommen. Das volle Programm: Schreien, nein eigentlich Brüllen, Durchstrecken, Um-Sich-Schlagen. So heftig, dass wir schon ein bisschen ans Auf- bzw. Nachgeben gedacht haben.
Zum Glück haben wir durchgehalten. Haben ihr ruhig, aber bestimmt erklärt, dass Papa und Mama manche Sachen besser wissen, als sie und, daß sie sich fügen muss. Sie hat gekämpft wie eine Löwin (eigentlich sollten wir stolz sein, so ein starkes Kind zu haben …) – über 40 Minuten lang hat sie immer wieder versucht, aus dem Gurt zu schlüpfen. Dann endlich ist sie ruhiger geworden und ist eingeschlafen.
Nach dem Aufwachen wollte sie dann erst einmal gar nicht aus dem Auto raus – ich vermute mal, sie wollte selber bestimmen, wann sie genug davon hat – und, nachdem wir endlich draussen waren, wollte sie dann lieber vor der Wohnung spielen, als drinnen.

Ansonsten ist sie seither ein kleiner Engel: nicht nur, daß sie nicht weint und schreit, wie in den vergangenen Tagen, sie hört auf das, worum wir sie bitten, spielt brav – auch alleine – und ist freiwillig schlafen gegangen (und ihr wisst ja, wie ungern sie das tut!). Es ist fast unheimlich, aber wir geniessen´s, solange es dauert 🙂
Fast kommt´s uns so vor, als würde sie dieses In-Die-Schranken-Weisen brauchen, damit sie sich sicher und wohl fühlt. Ich wünschte nur, das würde nicht in solchen (für beide Seiten) anstrengenden Wutanfällen enden. Immerhin hab ich die Hoffnung, daß sie irgendwann (hoffentlich bald) lernt, mit ihrer Wut  vernünftig umzugehen …

Andrea